Über den Tellerrand

In dieser Rubrik sind Film­bei­träge, Fach­artikel in Print­medien oder An­kün­digungen externer Quellen verlinkt. Außer­dem stellen wir hier in un­regel­mäßigen Ab­ständen Zwinger­portraits unserer Züchter und andere eigene Artikel ein, die sich mit der Arbeit und Zucht unserer Alt­deutschen Hüte­hunde befassen.

HD (Hüftgelenksdysplasie) - die Seuche der modernen Hundezucht?

Artikel vom JAN 15, 2024, freigegeben vom Vorstand der A•A•H Baden-Württemberg, Sommer 2024

Tom Heinrich, Berufsschäfer und Mitglied in unserem Landesverband, hat sich mit dem Thema Hüftgelenkdysplasie beim Hund auseinandergesetzt. Anhand wissenschaftlicher Texte und Studienergebnisse hat er deren Inhalte im nachfolgenden Artikel zusammengefasst.



Was ist HD?

Die Hüft­ge­lenks­dys­pla­sie ist eine ge­ne­tisch bedingte und somit ver­erb­bare Fehl­ent­wicklung der Hüft­ge­lenke. Sie kann zu vor­zeitiger Ab­nutzung des Ge­lenk­knor­pels und somit zu Arthrose (Ab­bau von Ge­lenk­knorp­el, hier - Hüft­ge­lenks­pfan­ne und evtl. auch des Ober­schenkel­knochens) und damit zu chronischen Schmerzen führen.

Ent­ste­hung

Die Fehl­ent­wicklung der Hüft­ge­lenke bildet sich wä­hrend des Wachs­tums.

Di­a­gno­se

Durch Rönt­gen­be­fund und Aus­wertung als Grund­lage für die züch­terische Se­lektion mit Fest­stellung des Schwere­grades der HD. Das äuße­re Erscheinungsbild ist durch Schmer­zen ver­ursachte Lahm­heit der Hinter­läufe. Diese Symp­tome tre­ten aber längst nicht bei allen Hunden mit ver­änderten Hüft­ge­lenken auf und lassen keinen Rück­schluss über die Schwere der HD zu.

Ursachen / Auslöser - Genetik und Umwelt

Bei der Ent­ste­hung der HD spielen ge­netische Fak­toren die we­sent­liche Rolle. Die Umwelt­fak­toren (Füt­te­rung, Hal­tung, Be­we­gung) haben auch einen Ein­fluss auf die Aus­prä­gung der HD. Die ge­netische Ver­anla­gung ist aber die Grund­lage, ohne die diese Er­kran­kung nicht auf­treten kann. Das Rönt­gen­bild kann also durch Umwelt­einflüsse be­einträchtigt sein.

Um­welt­ein­flüsse (Welpe, Jung­hund)

Füt­te­rung:

  • Über­gewicht
  • Ge­treide, Zucker, Salz, fettes Fleisch ver­meiden
  • besser: Ge­müse, hoch­wertige Pro­teine (tierisch), pflanz­liche Öle

Be­we­gung:

  • Regel­mäßige Be­we­gung mit Be- u. Ent­las­tung des Ge­lenk­knor­pels sorgt für gleich­mäßige Durch­blutung und somit zur Nähr­stoff­ver­sor­gung
  • Je­de sport­liche Be­tä­ti­gung sollte mit lo­ckerem Lau­fen be­ginnen, Wald- u. Wiesen­boden ist dazu besser ge­eignet als Asphalt oder Stein­boden
  • Ab­ruptes Stop­pen u. enge Rich­tungs­wechsel ver­meiden

Haltung, allgemein:

  • möglichst wenig Treppen lau­fen
  • hohe Sprünge ver­meiden (z. B. Lade­rampe Pickup, Ball­spiele, über's Netz springen lassen)
  • warmen und trockenen Liege­platz

Die Schwere der HD wird wie folgt eingestuft

A – keine HD / B – grenzwertig / C – leichte HD / D – mittlere / E – schwere

Die Grade D u. E sind in der Schweiz u. in Deutsch­land zur Zucht nicht zu­gelas­sen. Dass man aber züchterisch etwas tun kann, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz.


Zeitraum Anzahl untersuchter Hunde Grad A oder B Grad C Grad D oder E
1991 - 1995 2400 54% 31% 15%
1995 - 2000 7200 69% 21% 10%
2005 1544 83% 10% 7%

Quelle: Dysplasiekommission Zürich, Universität Zürich - Hüftgelenksdysplasie bei Zuchthunden - Sind ihre Nachkommen HD-gefährdet?

Fazit: eine deutliche Verbesserung innerhalb von 15 Jahren.

Wie hat man das erreicht?
  • Sen­si­bi­lisie­rung der Züchter
  • auch die Welpen­käufer sind hell­hörig ge­worden u. fordern dysplasie­freie Eltern­tiere.
  • Tier­ärzte können durch ver­bes­serte Aus­bildung eine HD zu­ver­läs­siger di­a­gnos­ti­zie­ren.
Wie ge­lingt es, die Qua­li­tät der Hüft­ge­lenke zu ver­bes­sern?

Eltern­tiere u. möglichst viele - optimal alle - Nachkommen müssen dazu eindeutig per Chip identifizierbar sein. Schlechte Vererber sollten konsequent aus der Zucht ausgeschlossen werden. Auch wenn sie selbst normale Hüftgelenke haben, tragen sie doch die genetische Information über eine schlechte Hüfte in sich, geben diese an ihre Nachzucht weiter u. kommt dann bei einem späteren Wurf (bei entsprechender Genvariation) zum Vorschein.

Auch hier kommt ein positives Beispiel aus der Schweiz mit von privat gehaltenen Hunden und Hunden aus einer Blindenführhundschule mit Nachzuchtkontrolle (Labrador).


HD-Grad A C bis E D u. E
Privat gehaltene Hunde 50% 14% 36%
Blindenführhundschule 90% 10% keine

Quelle: Dysplasiekommission Zürich, Universität Zürich - Hüftgelenksdysplasie bei Zuchthunden - Sind ihre Nachkommen HD-gefährdet?

Zuchtwertschätzung

Ist eine Auswahlmethode aufgrund genetischer Qualität (genotypisch) und nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild der Hüftgelenke (phänotypisch). Die Ausprägung der HD ist von verschiedenen Genen abhängig sowie von den bis dahin erfahrenen Umwelteinflüsse (Haltung, Fütterung, Aktivitäten). Die Röntgenaufnahme stellt nur das aktuelle Erscheinungsbild der Hüfte dar, nicht aber die genetische Veranlagung.


Die Zuchtwertschätzung erfasst den HD-Grad des betreffenden Hundes, den der Eltern, aller Geschwister u. der gesamten Nachzucht. Dabei gibt es aber eine Standartabweichung, d.h. desto mehr Verwandte geprüft werden, desto genauer kann die Vererbungsqualität (der Zuchtwert) bestimmt werden.


Dies betrifft die Züchter, die Tierärzte sowie die Hundebesitzer. Auch u. gerade die schlechten Röntgen - Resultate sollten erfasst werden. Alle Nachkommen ohne HD – Ergebnis sollten als dysplastisch eingestuft werden, um somit eine Motivation zur Untersuchung zu erhöhen. Denn leider bleiben HD freie Rüden mit überdurchschnittlich hohem Anteil dysplastischer Nachzucht im Zuchtgeschäft. Bei Rassehunden ist es wohl so, dass ein Großteil der Welpen von wenigen Rüden abstammen. Somit prägen Rüden die Qualität einer Rasse mehr als Hündinnen.


Paarungssteuerung

Es werden Paarungen angestrebt, bei der die Nachkommen eine unterdurchschnittliche HD Belastung (Grade A u. B) erwarten lassen, um andere erwünschte Rasseeigenschaften bzw. Zuchtziele (z.B. der Hütetrieb) zu berücksichtigen. D. h. die Summe der Zuchtwerte der Elterntiere sollte nicht mehr als 2 x des Rassedurchschnitts (also 200) betragen. Z.B. der Rüden hat einen Zuchtwert 96 + die Hündin dann max. 104.


NEU: Der genetische Zuchtwert

Ist der direkte Nachweis bestimmter genetischer Variationen anhand der Gene. Die ursächlichen Gene oder DNA Varianten, die das Risiko für HD beeinflussen, sind heute (????) noch unbekannt.

Wäre die Wissenschaft in diesem Bereich schon weiter, hätte das folgende Vorteile:


  1. Der HD–Grad könnte schon beim Welpen bestimmt werden
  2. ohne Röntgenuntersuchung, genetische Bestimmung über das Blut (???)
  3. Sicherheit ohne Abhängigkeit von verfügbaren Nachkommensbefunden


Aber es gibt noch keine Erprobung dieser Methode im großen Stil, noch keinen Vergleich, ob reine Genvariante mit dem konventionellem Zuchtwert übereinstimmt.


Fazit:
Es ist eindeutig, dass die schon heute verwandte Methode der Zuchtwertschätzung u. daraus resultierende Zuchtbeschränkung mit konsequentem Zuchtausschluss zum Ziel führt. Entscheidend für den Erfolg ist der Wille der Züchter u. Welpenkäufer durch sorgfältige Paarung die HD einzudämmen, um den Hunden ein leistungsfähiges u. schmerzfreies Leben zu ermöglichen.

Vorteile für den Züchter mit negativem Röntgenbefund
  • Wertet den Hund u. so den ganzen Zwinger auf (im Gegensatz zu nicht geröntgten Hunden)
  • Der Zwinger steht mit seinem Namen für eine verantwortungsvolle Zucht
  • Wertet den ganzen Wurf auf (da Elterntiere nachweislich HD frei)
  • Kosten der Untersuchung können auf Welpenpreis aufgeschlagen werden
  • Züchter trägt zur Vermeidung der Ausbreitung der HD Problematik bei u. somit zur Aufrechterhaltung der Altdeutschen als leistungsfähige Arbeitshunde

Vorteile für den Welpenkäufer
  • Geprüfte Elterntiere
  • Welpe kommt vom engagierten Züchter
  • Käufer trägt zur Vermeidung der Ausbreitung der HD Problematik bei u. somit zur Aufrechterhaltung der Altdeutschen als leistungsfähige Arbeitshunde



Quellen:


zusammengestellt von: Tom Heinrich


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